19. - 25. September 2027:
"Faust II" von Johann Wolfgang von Goethe: Ein überzeitliches Panoptikum. Faust, ein Heutiger zwischen Anarchie, Ordnung und Utopie.
Faust, ein Heutiger zwischen Anarchie, Ordnung und Utopie.
„Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
genieß ich jetzt den höchsten Augenblick
“
©Hans-Joachim Mattke
Wer sich an Goethes "Faust II" macht, dem mag es anmuten, ein Zirkuszelt zu betreten. Ein wahres Panoptikum entfaltet sich da vor seinen Sinnen, Fantastisches, ja, auch Phantasmagorisches präsentiert sich in mehreren Manegen nebeneinander:
Volksfeste, exzessive Vergnügungen, gesellschaftlicher Hedonismus und ausufernde Kriminalität zugleich, Hinabsteigen des Faust ins Reich der "Mütter", Staatsbankrott, Inflation, Erfindungen neuer Geldsorten, orphisches Heraufbringen der Helena aus dem Hades, Vermählung dieser antiken Schönheit mit dem mittelalterlichen Faust und Zeugung ihres Kindes (Euphorion); ein karrieregeiler Wissenschaftler erfindet den künstlichen Menschen (Homunkulus), Kriege als scheinbare Lösung von gesellschaftlichen und historischen Problemen. Das annektierte Gebiet dient dem Versuch zur Schaffung einer neuen 'Kultur'. Sogar das Sterben des Protagonisten und seinen Visionen wird vorgeführt.
Die zwei Figuren, die durch dieses scheinbare Chaos führen, sind Faust und sein Gegenpart oder alter ego Mephistopheles. Mephisto formuliert seine paradoxe Mission so: " Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war"(Z. 1349) und "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft"(Z. 1335 f.).
Faust hat sich in Teil I so beschrieben: "Bin ich der Flüchtling nicht? der Unbehauste? Der Unmensch ohne Zweck und Ruh'" (Z. 3548 f.).
Jetzt, in Teil II, wird er zum Künstler, Regisseur, Volkspädagogen, zum General im Krieg (den er gewinnt), Kolonisierer, Umsiedler und schließlich zum Visionär einer neuen Gesellschaftsform werden.
Wie erwähnt: Dies alles wie in einer Art simultanem Geschehen, einem montageartigen Nebeneinander. Wir sitzen da um die Manegen, um die Schauplätze des Geschehens und werden Zeuge eines Panoptikums, auch eines Pandämoniums, der Auflösung einer traditionellen Kontinuität und einer Raum-Zeitstruktur der Tragödie. Und wir staunen.
Spielt sich hier, fragen wir, die heutige conditio humana ab?
Der Faust - Stoff ist hundertfach bearbeitet worden: Von der christlich warnenden "Historia von D. Johan Fausten"(Volksbuch) von 1587 über Christopher Marlowes "The tragical history of Doctor Faustus"von 1588, Michail Bulgakows "Meister und Margerita" 1940, Thomas Manns „Doktor Faustus" 1947 bis hin zu Elfriede Jelineks "FaustIn and out" 2012. Nur um einige wenige Beispiele zu nennen. (Ich werde einen Überblick geben über die namhaftesten Versionen des Stoffes und über die Forschung).
Hans-Joachim Mattke
der referent
Hans-Joachim Mattke ist 1944 in Breslau geboren. Seine Kindheit und Jugend hat er in Stuttgart verbracht. Er studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Tübingen. Es folgte ein zusätzliches Studium der Theaterwissenschaften und Regie in Wien. Viele Jahre lehrte er an Lehrerseminaren in Deutschland und USA und gab Unterricht an gymnasialer Oberstufe in Stuttgart in Literatur, Kunstgeschichte, Drama und Theater sowie über 20 Jahre hinweg Literaturkurse an Summer Colleges in USA. Über Jahrzehnte reiste Mattke immer wieder nach New York, Washington und Hawaii als Berater im Bereich „teaching quality“. Hans-Joachim Mattke ist Autor des Stücks: „John Cage und Mark Rothko – Warum haben Leute mehr Angst vor neuen Ideen und nicht vor alten“ (Uraufführung am 24. 11. 2012 im Theaterhaus in Stuttgart). Er realisierte ein Theater mit Jugendlichen, Crossover mit Musikern und Schauspielern, Profis und Amateuren: Strawinskys „Die Geschichte des Soldaten“ in Stuttgart und Salzburg. Zuletzt hat er gemeinsam mit dem Pianisten Wenzel Gummer das szenische Konzert „Doktor Faustus – zwischen Beethoven und Schönberg“ kreiert, mit großem Erfolg in München uraufgeführt wurde. Weitere Aufführungen folgten 2022, 2023 und 2025, die nächste Aufführung wir am 23. Januar 2027 in Diessen am Ammersee statfinden. Sein neues Stück “Walter Benjamin - Fortschritt und Katastrophe” wurde mit großem Erfolg im November 2025 in München uraufgeführt. Die nächste Aufführung wird mit neuer Besetzung am 13. März 2027 im Museum Tinguely in Basel sein.
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Beinhaltet 6 Übernachtungen, ein opulentes Frühstück, ein 2 gängiges Mittagsmenu und ein 3 gängiges Abendmenu, Pausengetränke und Obst zu jeder Zeit. Getränke zu den Mahlzeiten sind nicht enthalten und werden gesondert abgerechnet.
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