31. Mai - 06. Juni 2020:

Das Böse bei Shakespeare und Hannah Arendt

Das Böse ist immer nur extrem, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert. Tief aber und radikal ist immer nur das Gute.
— Hannah Arendt
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Liebe Denkerin, lieber Denker,

wer auf der Suche nach Inspiration und Erholung ist und der Kunst des gelingenden Lebens auf die Spur kommen möchte, der ist im Château d’Orion, dem Gäste- und Kulturhaus am Fuße der Pyrenäen, genau richtig. Wo könnte man besser über Wesentliches nachdenken als unter der alten Platane mit Blick auf Wiesen, Weiden und Wälder oder vereint um einen prasselnden Kamin?

Viele Philosophinnen und Philosophen, unter ihnen die bekannte Denkerin Martha Nussbaum von der University of Chicago, stellen sich derzeit wieder die Frage, die schon Aristoteles in der „Nikomachischen Ethik“ aufgeworfen hat: Was ist das Gute? Was ist das Böse? 

Da hilft es, in einer Denkwoche  mit dem Blick in die Literatur, nämlich Shakespeares Dramen  und in philosophisch–politische Texte von Hannah Arendt genauer über das Böse nachzudenken und gemeinsam dieses Terrain zu erforschen.

Höhepunkte der Einsicht in das Böse, seine Beschaffenheit, Chemie, seine Ursachen und Absichten finden sich ohne Zweifel beim Menschenkenner William Shakespeare (1564 – 1616). Wie er das Phänomen des Bösen in Figuren und Handlungen  künstlerisch manifestiert, ist einzigartig.  

Er, so ließe sich sagen, fasst zusammen, was in einem jahrhundertelangen Diskurs über das Böse von Plato über Aristoteles, Augustinus und Thomas von Aquin, also was in Philosophie und Religion über das Böse gefühlt und gedacht wurde. Und Shakespeare geht weit über seine eigene Zeit hinaus. 

Viele Denker sind der Überzeugung – und ich teile diese Meinung - , dass er mit dem „Hamlet“, seinem „Othello“ und seinem „König Lear“, mit den in diesen Werken beschriebenen Charakteren und Inhalten die Welt des Inneren des Menschen, die Welt des Ich und seiner Gefährdung, seiner besten und finstersten Dimensionen beschrieben hat. Diese Dramen sorgfältig unter unserem Leitthema zu befragen, heißt tief in die Seele des Menschen zu schauen. 

Das Böse ist bei Shakespeare immer personengebunden. Dem gegenüber macht die politische Denkerin Hannah Arendt in ihren Forschungen zum Totalitarismus und im Bericht über den Eichmann-Prozess (1960) im 20. Jahrhundert neue Formen des Bösen aus: Das „radikal Böse“ und „das banal Böse“. Man kann es in seiner scheinbar anonymen, personal nicht gebundenen Form, so sagt sie, weder bestrafen noch vergeben. Und weiter: „Was das radikal Böse nun wirklich ist, weiß ich nicht ... es hat irgendwie mit den folgenden Phänomenen zu tun: Die Überflüssigmachung von Menschen als Menschen ... dies alles wiederum hängt zusammen...mit dem Wahn von der Allmacht des Menschen ... Die Allmacht des Menschen macht den Menschen überflüssig“.  
Die Beschreibungen von Shakespeare und die Analysen von Arendt und ihr Vergleich können uns weiterhelfen, die mythischen, philosophischen, ethischen, politischen und existentiellen Dimensionen des Bösen zu begreifen.

Werke, auf die wir unsere Arbeit stützen:

William Shakespeare, Hamlet, Othello, König Lear. 

Elisabeth Young-Bruehl, Hannah Arendt, Leben, Werk und Zeit, Fischer TB 16010, ISBN 978-3-596-16010-5

Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem, Ein Bericht von der Banalität des Bösen, Piper 

TB 6478, ISBN  978-3-492- 26478-5

Hannah Arendt, Über das Böse, Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik, Piper TB 5063

ISBN 978-3-492-25063-4

 

der referent

Hans-Joachim Mattke ist 1944 in Breslau geboren. Seine Kindheit und Jugend hat er in Stuttgart verbracht. Er studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Tübingen. Es folgte ein zusätzliches Studium der Theaterwissenschaften und Regie in Wien. Viele Jahre lehrte er an Lehrerseminaren in Deutschland und USA und gab Unterricht an gymnasialer Oberstufe in Stuttgart in Literatur, Kunstgeschichte, Drama und Theater sowie über 20 Jahre hinweg Literaturkurse an Summer Colleges in USA. Über Jahrzehnte reiste Mattke immer wieder nach New York, Washington und Hawaii als Berater im Bereich „teaching quality“. Hans-Joachim Mattke ist Autor des Stücks: „John Cage und Mark Rothko – Warum haben Leute mehr Angst vor neuen Ideen und nicht vor alten“ (Uraufführung am 24. 11. 2012 im Theaterhaus in Stuttgart). Er realisierte ein Theater mit Jugendlichen, Crossover mit Musikern und Schauspielern, Profis und Amateuren: Strawinskys „Die Geschichte des Soldaten“ in Stuttgart und Salzburg. Derzeit arbeitet er an einem Theaterstück über Thomas Manns „Dr. Faustus“ und Arnold Schönberg.

 

Anmeldung zur Denkwoche

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Beinhaltet ein opulentes Frühstück, ein 2 gängiges Mittagsmenu und ein 3 gängiges Abendmenu, Pausengetränke und Obst zu jeder Zeit. Alkoholische Getränke sind nicht enthalten.

Alle Preise inkl. Mehrwertsteuer.

Für Ihr Wohlbefinden fühlt sich die gesamte Équipe d’Orion zuständig. Sprechen Sie uns gerne schon vor Ihrer Buchung an!